Die Welt ist schnelllebiger und flexibler geworden. Auch die Arbeitswelt – und mit ihr die Hotel- und Gastronomiebranche. Zumindest im Dorf am See – Seehotel Niedernberg, wo das starre Berufskonzept aufgebrochen wurde und die Mitarbeiter schnell und unkompliziert ihren Job innerhalb des Unternehmens wechseln können. „Wir schaffen Perspektiven“ lautet das Motto; Offenheit und Gesprächsbereitschaft gehören dabei zum Konzept.

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Der tägliche Job muss eine Herzensangelegenheit sein, sonst funktioniert es nicht. So, wie bei der Seehotel-Mitarbeiterin, die viele Jahre im Housekeeping tätig war, aber große Lust auf etwas Neues hatte. „Mehr mit Menschen zu tun haben“ wollte sie und „mehr Verantwortung tragen“. Die Rezeption – das wäre der Traum. „Motivierte Mitarbeiter sind ein Gut, das viel zu wertvoll ist, um es einfach ziehen zu lassen“, sagt Karina Kull, Direktorin im 106 Zimmer großen Dorf am See bei Aschaffenburg. Nach einem offenen Gespräch mit der Kollegin wurde ein Schnuppertag an der Rezeption organisiert, der sich als voller Erfolg erwies. „Das entsprechende Fachwissen kann man erwerben, die Begeisterung und die Freude am Umgang mit den Gästen nicht“, so Karina Kull weiter. Heute ist die ehemalige Housekeeping-Mitarbeiterin fest im Empfangsbereich angestellt – und glücklich. „Eine Win-Win-Situation für alle“, findet die Direktorin.

Karina Kull, Direktorin im Dorf am See – Seehotel Niedernberg (© Markus Püttmann)

Beispiele wie dieses finden sich viele im Dorf am See: Vom Service in die Küche, aus dem Wellnessbereich in die Verkaufsabteilung – oder auch die Restaurantleiterin, die nach ihrer Babypause erfolgreich in die Rechnungsabteilung in der Verwaltung wechselte. Karina Kull: „Wechsel müssen unkompliziert erfolgen können, und zwar speziell auch auf horizontaler Ebene. Hier ist es wichtig, offen und flexibel zu sein, zu erkennen, wenn sich die Lebenssituation eines Mitarbeiters geändert hat, er oder sie sich unwohl im Job, über- oder unterfordert fühlt, um dann das zu Gespräch suchen.“ Die allermeisten „Dorfbewohner“, wie sie sich selbst nennen, fühlen sich im Hotel bestens aufgehoben und sind mit ihrem Arbeitgeber sehr zufrieden. So herrscht ein angenehmes Arbeitsklima, man sieht sich als Gemeinschaft, fast als Familie. Gibt es ein Problem oder Unstimmigkeiten, so steht die Tür der Direktorin stets offen, ihre Devise lautet „Probleme erkennen, darüber sprechen, eine Lösung finden und sie schnellstmöglich abstellen“. „Der Arbeitsmarkt ist viel zu angespannt, um auch nur eine oder einen einzige/n Mitarbeiter/in zu verlieren. Das allgemeine Klima am Arbeitsplatz muss genauso stimmen wie das individuelle“, erklärt Karina Kull weiter. „Daher bringe ich meinen Mitarbeitern von Anfang an bei, keinen falschen Stolz zu zeigen und beispielsweise sagen zu können: ‚Das kann ich nicht so gut, bitte hilf mir‘.“ Hinzu kommt ein bunter Generationenmix bei der Belegschaft, sodass jeder von jedem etwas lernen kann.

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Das Berufs-Korsett aufzubrechen und „Quereinsteiger“ innerhalb des Unternehmens zu fördern, kann auch zu fruchtbaren Impulsen führen, denn die Strukturen sind dann bereits bekannt, neue Ideen und Blickwinkel jedoch verändern liebgewonnene Routine hin zum Positiven. Im Dorf am See – Seehotel Niedernberg funktioniert das Prinzip und die Direktorin möchte es auch künftig umsetzen. So, wie bei der Umstrukturierung des Housekeepings, das derzeit einem Outsourcing unterzogen wird: „Eigentlich wollten wir uns von diesen wertvollen Mitarbeitern nicht trennen, und sie sich nicht von uns“, erklärt Karina Kull. „Wir haben uns zusammengesetzt, Interessen und Vorkenntnisse berücksichtigt und so für einige eine neue Aufgabe in unserem Haus gefunden – in Bereichen, die mit ‚Reinigung‘ überhaupt nichts zu tun haben.“