Frank Erhard, Direktor im Hotel Zugspitze (Foto: Marc Gilsdorf)

Der Fachkräftemangel in der Hotellerie ist kein Geheimnis. Auf Seiten der Hoteliers wird häufig das mangelnde Interesse der Mitarbeiter am Hotelbetrieb erwähnt und von Seiten der Mitarbeiter heißt es immer wieder, es fehlt Wertschätzung und ein angemessenes Gehalt für die jeweilige Leistung. „Ein Dilemma, für das es jedoch auch erfolgreiche und praktische Lösungsansätze aus der Branche gibt“, erklärt uns Hoteldirektor Frank Erhard aus dem Hotel Zugspitze. „Fairness ist in der heutigen Zeit sehr wichtig. Wir begegnen unseren Mitarbeitern daher auf Augenhöhe. Auch darum leiden wir im Hotel Zugspitze wohl selten unter Mitarbeitermangel“, davon ist Erhard überzeugt. Doch was genau heißt das eigentlich „fair miteinander zu arbeiten“? Das wollten wir von Frank Erhard genauer wissen.

Team im Hotel Zugspitze (Foto: Florian Panholzer)

Fair miteinander arbeiten“ was genau verstehen Sie darunter?
In erster Linie Ehrlichkeit. Ich gehe offen und fair mit allen unseren Mitarbeitern um. Diesen Umgang, auf Augenhöhe, erwarte ich im Gegenzug dann auch von allen Angestellten – vom Abteilungsleiter bis zum Auszubildenden. Das schließt sowohl den Umgang mit Kollegen aber auch Vorgesetzten ein. Dabei ist es auch wichtig, die Anforderungen des Hotels im Blick zu haben und vielleicht auch mal persönliche Befindlichkeiten abzuwägen. Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, wenn das Verhältnis auf Vertrauen basiert, lässt sich über alles reden und immer eine Lösung finden.

Jürgen Bayer, Sous Chef (links) und Georg Strohmeyer, Küchenchef (Foto: Marc Gilsdorf)

Wie viele Mitarbeiter sind im Hotel Zugspitze beschäftigt?
Aktuell beschäftigen wir rund 50 Mitarbeiter, inklusive 8 Auszubildende verschiedener Nationalitäten: Deutschland, Griechenland, Rumänien, Thailand, USA, Slowakei, Österreich und Serbien sind nur einige Länder, woher unsere Mitarbeiter kommen. Unsere neuen Auszubildenden stammen beispielsweise aus Russland und Pakistan.

Zudem haben wir auch sogenannte Quereinsteiger, die wir in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit, umgeschult haben. An der Rezeption haben wir beispielsweise eine ehemalige Speditionskauffrau.

Hotel Zugspitze (Foto: Marc Gilsdorf)

Oft sind es aber nur „große Worte“, wenn Hoteliers von fair und offen sprechen. Wie sehen Ihre Eigenschaften und Vorgehensweisen aus?
Zum einen zahlen wir vernünftige Löhne. Das Gehaltsniveau in der Branche ist in den vergangenen Jahren zum Glück deutlich gestiegen. Wir sind jedoch davon überzeugt, auch auf anderen Ebenen zu punkten und nicht nur mit dem Argument „Gehalt“.

Ebenfalls haben wir „offene Bücher“, das heißt, dass jeder Mitarbeiter über die aktuellen Zahlen, Buchungen, Investitionen informiert ist.

Hotel Zugspitze, Restaurant Wankstube (Foto: Hotel)

Auf welchen Ebenen punkten Sie denn?
Wertschätzung, vereinbarte Arbeitsleistungen einhalten, Möglichkeiten zur Fortbildung bieten, keine anfallenden Überstunden, ein familiäres Umfeld und verständnisvoll und mit Lösungsvorschlägen statt Vorwürfen, auf geänderte Lebenssituationen reagieren zu können, ist heute wichtiger denn je.

Langjährige und erfahrene Mitarbeiter setzen im Laufe des Lebens neue Prioritäten, das können beispielsweise eine Elternauszeit sein, der Wunsch nach verkürzten Arbeitszeiten, ein Sabbatical oder auch ein Arbeitsplatzwechsel aufgrund der Gesundheit. Sich wohl am Arbeitsplatz zu fühlen und den Job mit persönlichen Befindlichkeiten und dem Alltag vereinbaren zu können gewinnt an Bedeutung. Andernfalls leidet ansonsten irgendwann ganz sicher die Arbeitsleistung darunter.

Lobby im Hotel Zugspitze (Foto: Hotel)

Überstunden sind ein gutes Stichwort. Gibt es im Hotel Zugspitze tatsächlich keine Überstunden?
Wir möchten unsere Mitarbeiter ganz sicherlich nicht verheizen. Daher versuchen wir Überstunden ernsthaft zu vermeiden. Dazu nutzen wir ein sehr genaues Zeiterfassungssystem. Wenn der Mitarbeiter wirklich mal eine Stunde länger bleiben muß, was sehr selten passiert, dann werden diese Überstunden relativ schnell in Freizeit ausgeglichen.