Azubis des Holiday Inn München-Unterhaching

Fachkräftemangel, unbesetzte Stellen, geburtenschwache Jahrgänge, Nachwuchsprobleme in vielen Branchen – die deutsche Wirtschaft ächzt unter fehlenden Arbeitskräften. Auch die Hotellerie und Gastronomie ist betroffen. Relativ problemlos hat das 257 Zimmer große Holiday Inn München-Unterhaching es auch in seinem 25. Jubiläumsjahr wieder geschafft, gleich zehn neue Auszubildende (acht Hotelfachleute, je einen Veranstaltungskaufmann und Koch) sowie eine duale Studierende unter Vertrag zu nehmen – und das direkt vor den Toren der Boom-Stadt München. Wie gelingt es dem Vier-Sterne-Haus mit seinen rund 100 Mitarbeitern, sich auch in schwierigen Zeiten personell (noch) gut aufzustellen?

Claudia Schulze-Clewing

Verantwortlich in Sachen HR im Holiday Inn München-Unterhaching sind Personalleiterin Lisa Thumm sowie Personalreferentin Claudia Schulze-Clewing: Seit Jahren setzen sie sich konsequent dafür ein, junge Menschen für eine Ausbildung in der Hotellerie zu begeistern und ihr Interesse zu wecken. So besuchen sie regelmäßig Schulen und kleinere Ausbildungsmessen, arbeiten eng mit der Jugendhilfe, der Kolping Bildungsagentur, der DEHOGA und der Bundesagentur für Arbeit zusammen. Auch initiierten sie die Übernahme von drei Schulpatenschaften seitens des Holiday Inn München-Unterhaching. Claudia Schulze-Clewing erhielt dafür den Titel des „Ausbildungsbotschafters des bayerischen Gastgewerbes“ vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales sowie dem DEHOGA Bayern e.V. Der hatte das Hotel zudem auch als TOP-Ausbildungsbetrieb zertifiziert. Neben der DHBW Ravensburg (Duale Hochschule Baden-Württemberg) besteht eine Bildungspartnerschaft mit HDBW (Hochschule der Bayerischen Wirtschaft) für die im Rahmen eines dualen Studiums beschäftigten Studierenden.

Holiday Inn München-Unterhaching

Frau Thumm, sind Sie zufrieden mit Ihren neuen Azubi-Schützlingen?
Natürlich! Die zuvor bei uns geleisteten Praktika verliefen prima und auch die erste Arbeitswoche stimmt mich sehr zuversichtlich. Alle haben einen überzeugenden ersten Eindruck gemacht. Viel wichtiger sind jedoch das langfristige Engagement und die zukünftigen Leistungen. Auch hier bin ich guter Dinge – wirklich zeigen wird sich das aber erst in den nächsten Monaten. Wenn Ihre Frage auf die Gesamtzahl der neuen Auszubildenden abzielt: Auch die ist in Ordnung, es hätten jedoch auch durchaus mehr sein können. 2015 war unser Rekordjahr, da hatten wir noch 18…

Lobby im Holiday Inn München-Unterhaching

Auch Sie haben also um Nachwuchs zu kämpfen, Frau Schulze-Clewing?
Und es wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Ohne unsere bereits genannten Aktivitäten wie Messebesuche, Info-Veranstaltungen in Schulen oder der Kooperation mit verschiedenen Agenturen weiß ich nicht, wo wir stehen würden… Bewerbungen kommen immer kurzfristiger, es sind natürlich weniger als früher und oft hat man das Gefühl, dass überzeugte Motivation oder auch Begeisterungsbekundungen für den Beruf – insbesondere im Bereich der Gastronomie – zu wünschen übrig lassen. Leider hat unsere Branche „da draußen“ keinen guten Ruf. Das ist schade, denn ist man erst einmal dabei, ändert sich das bei den meisten. Hier müssen wir unbedingt gegensteuern!

Was können Sie als einzelnes Hotel dafür tun?
Lisa Thumm: Faire Bezahlung, faire Arbeitszeiten, ein gutes Arbeitsklima und Zusatzleistungen in Sachen Fort- und Weiterbildung. Da muss jedes Unternehmen individuell schauen, was es anbieten, optimieren und sich leisten kann. Wir zum Beispiel haben zwar den Vorteil, sehr nahe an der Metropole München zu liegen, was es jedoch mit Blick auf die hohen Mieten gerade jüngeren und von weiter entfernt kommenden Mitarbeitern erschwert, eine passende Wohnung zu finden. Daher haben wir bereits vor Jahren 18 Mitarbeiter-Wohnungen sowie eine Azubi-WG im Hotel eingerichtet, die klasse ankommen und gerne genutzt werden. Auch sind wir in erster Linie ein Business-Hotel, was es uns ermöglicht, speziell Azubis relativ oft ein freies Wochenende zu versprechen, da wir da weniger Geschäft haben.

Business Zimmer im Holiday Inn Unterhaching

Das allein und Ihr umfangreiches Engagement, junge Menschen für eine Ausbildung in der Hotellerie zu begeistern, wird das eigentlich Problem jedoch nicht lösen können…
Claudia Schulze-Clewing: Allerdings nicht. Sich regen bringt zwar bekanntlich Segen, wenn es aber grundsätzlich zu wenig junge Menschen gibt, nutzen auch „Schnupper-Praktika“, das Werben direkt in Schulen, ein „Welcome Day“ für Azubis oder das Herausstellen von Vorteilen in der Hotellerie recht wenig. Machen wir uns nichts vor: Wir befinden uns derzeit in einem Verdrängungs- oder besser gesagt „Abwerbe-“ oder „Zuvorkommwettbewerb“. Wenn der Markt – also das Angebot an Arbeitskräften – geringer wird, bleibt ja keine andere Möglichkeit. Ohne jetzt politisch werden zu wollen: Es wird langfristig nicht ohne Zuwanderung – in welcher Form auch immer – gehen. Wie sollen Hotels und andere Unternehmen den Betrieb denn aufrecht erhalten..? Eigentlich möchten wir ja wachsen – und nicht stagnieren oder gar reduzieren..! Zumindest mittelfristig wird sich diese Situation auch auf die Preise in zahlreichen Branchen niederschlagen, das ist das Gesetz von Angebot und Nachfrage.

(Fotos Hotel)