Im Frühling 1993 eröffnete – zunächst unter dem Namen „Erlenhof“ – das Holiday Inn München-Unterhaching im Unterhachinger Gewerbegebiet Erlenhofpark südlich vor den Toren Münchens. Nicht wenige sagten dem Hotel keine rosige Zukunft voraus. Sie wurden eines Besseren belehrt: Jetzt feiert das 257 Zimmer und Suiten große Vier-Sterne-Haus seinen 25. Geburtstag. Grund zum Feiern gibt es genug, denn längst ist es ein fest etabliertes Tagungs- und Business-Hotel mit drei Konferenzzentren, steht auf gesunden Beinen und hat bisher mehr als vier Millionen Übernachtungs- und Tagungsgäste begrüßt. Fast von Anfang an ist Uwe Schulze-Clewing als Geschäftsführer an Bord – wir sprachen mit ihm über damals und heute, über zufriedene Mitarbeiter und Kaufmanns-Ethik.  

Herr Schulze-Clewing, Hand aufs Herz: Haben Sie von Anfang mit einem Erfolg gerechnet?

Uwe Schulze-Clewing, Geschäftsführer

Zunächst ehrlicherweise nicht, doch dann schon. Die Lage inmitten eines Gewerbegebiets und integriert in einen Büropark bot auf den ersten Blick tatsächlich nicht die allerbesten Voraussetzungen. So sollte der damalige „Erlenhof“ mit seinen 600 Betten 11 Millionen D-Mark Umsatz erwirtschaften – im ersten Jahr war es etwa ein Zehntel davon. Von einem erfolgreichen Start kann man da nicht sprechen. Dann boten mir die Eigentümer des Erlenhofparks, für die ich bereits vorher gearbeitet habe, diese Position an und nach anfänglicher Skepsis überzeugten mich eben genau diese Lage – nur rund zehn Kilometer von der Münchner Innenstadt entfernt – als Standortvorteil, die fußläufig entfernte S-Bahn-Station, die nahe A8 und eine Reihe weiterer Faktoren. Spätestens nachdem wir uns dann 1995 per Franchisevertrag der Hotelkette Holiday Inn angeschlossen hatten, ging es steil bergauf. Heute sind wir ein florierendes, modernes Tagungs- und Business-Hotel in und für Unterhaching – übrigens nicht nur für Business-Gäste, sondern beispielsweise auch für Familien, die auf ihrem Weg in den Urlaub einen Stop-over bei München einlegen möchten.

Der Markenanschluss war also unumgänglich und der Schlüssel zum Erfolg?

Er war die Grundvoraussetzung. Sie können ein Hotel in Stadtrandlage nicht alleine „wuppen“, da braucht man einfach Unterstützung. Und die haben wir bekommen. Ein solcher Markenanschluss hat natürlich – von den Kosten mal ganz abgesehen – auch Nachteile. Man bekommt im Markt einen „Stempel aufgedrückt“ und ist in seiner Freiheit durchaus eingeschränkt. Alternativ stand damals die Marke Best Western im Raum, eine Mischung aus beiden wäre mir persönlich am Liebsten gewesen. Aber, das ist Schnee von gestern. Ich denke, wir haben alles richtig gemacht und unsere Prognosen haben sich als absolut zutreffend erwiesen. Viele Freiheiten habe ich mir auch bei Holiday Inn erhalten können – zurzeit sind wir eines der wenigen Häuser der Marke in Deutschland, das von keiner Gesellschaft mit mehreren Hotels geführt wird. Darauf sind wir schon stolz.

Fast Vierteljahrhundert sind Sie nun eng mit dem Holiday Inn München-Unterhaching verbunden. Wie fühlt sich diese „Silberhochzeit“ für Sie persönlich an?  

Gut. Richtig gut! Ich habe noch immer die gleiche Freude und den gleichen Spaß an meinen Aufgaben wie am ersten Tag. Das liegt in erster Linie an meinem tollen Team und an der Tatsache, dass ich – trotz fester Strukturen als Franchisenehmer – vieles nach wie vor nach meinen Vorstellungen machen kann. Oft werde ich als „Revoluzzer“ bezeichnet, aber ich habe meine Überzeugungen und bisher hat sich mein Weg als richtig erwiesen.

Apropos „Mitarbeiter“: Jeder zweite ist mindesten zehn Jahre dabei – das ist in der Hotellerie eher ungewöhnlich. Warum ist das in Unterhaching so?

Unser Betriebsklima ist in der Tat hervorragend. Warum? Nun, wir reden nicht nur, wir tun auch tatsächlich etwas für unsere rund 100 Mitarbeiter sowie die 30 Auszubildenden. Allein am Verhältnis Zimmerzahl/Mitarbeiter kann man sehen, dass – anders als in vielen anderen Hotels – ausreichend Personal vorhanden ist, um die Arbeit ohne ein Maximum an Stress zu bewältigen. Bei vielen Kollegen zählt einzig und allein der GOP (Gross Operating Profit). Der ist bei uns nicht überdurchschnittlich. Aber was nutzt mir mehr Geld in der Kasse, wenn die Mitarbeiter unzufrieden sind. Das schlägt sich aufs Betriebsklima nieder und wird auch von den Gästen bemerkt. Als Arbeitgeber denke ich nicht nur betriebswirtschaftlich, sondern auch in langfristigeren Kategorien. Soziale Verantwortung ist sehr wichtig für mich…

Hehre Worte… Auch mit Blick auf den scharfen Wettbewerb – nicht nur in Ihrer Branche: Fallen Sie damit nicht etwas aus der Zeit?

Überhaupt nicht. Ich sprach ja bereits das langfristige Handeln an. Ich denke halt nicht nur an heute und morgen, sondern auch an übermorgen. Manche mögen das konservativ nennen, aber so bin ich nun mal. Ich habe durchaus Wertevorstellungen, die vielleicht als gestrig bezeichnet werden, fahre mit ihnen jedoch unverändert gut. Sehen Sie, ich bin Jahrgang 1961. Viele Werte und Tugenden, die man mir beigebracht hat, zählen in der heutigen Zeit mitunter nicht mehr viel. Aber sind sie deshalb falsch und müssen um des Profitwillens über Bord geworfen werden? Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Fleiß, Ordnung, Pünktlichkeit…? Da gab es einmal die Philosophie des „ehrbaren Kaufmanns“: Ein Handschlag ist doch inzwischen fast zur inhaltslosen Geste verkommen. Bei mir nicht. Können Sie sich vorstellen, dass ich zum Teil noch immer mit Partnern aus unserer Eröffnungszeit zusammenarbeite? Gemeinsam sind wir durch dick und dünn gegangen – und werden es auch künftig tun. Kann so etwas durch ein paar Euro an Einsparung wettgemacht werden?