Von der Wiederentdeckung des schlichten „Nichtstuns“

Zeller (4)„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“ – so lautet ein 250 Jahre altes Zitat aus  dem Gedicht „Urians Reise um die Welt“ von Matthias Claudius, das inzwischen längst zum Sprichwort geworden ist. Und tatsächlich: Eine unter Umständen komplizierte An- und Abreise, neue Menschen, ungewohntes Essen und vor der Tür locken Sightseeing-Highlights, die besichtigt werden müssen. Sei es die City mit Museen, Denkmälern, Bauwerken und Wahrzeichen, sei es die Natur mit Bergen, Wäldern, Wasserfällen, Stränden oder seltener Tierwelt. Verlockungen also, die im Reiseprogramm untergebracht werden müssen. Müssen? Nein, denn wo keine Reize sind, besteht auch kein zwanghafter Druck dazu, den Tag mit Must-Do’s zu füllen.

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Seit nunmehr 101 Jahren funktioniert diese Philosophie im Zeller – Hotel + Restaurant –, das im unterfränkischen Städtchen Kahl am Main, unweit der Grenze zu Hessen liegt. „Dabei ist von Langeweile keine Spur, es geht um die – gerade ganz aktuelle – Wiederentdeckung des schlichten Nichtstuns“, so Geschäftsführerin Alexandra Schleunung, die den Familienbetrieb bereits in vierter Generation führt. „In Kahl ist nichts los, und das ist auch gut so. Unsere Gäste kommen hierher, um – sofern es keine Geschäftsreisenden sind – unsere Küche zu genießen, unseren ausgesprochen familiären Service in Anspruch zu nehmen, die Seele in unserem Erholungsbereich baumeln zu lassen oder mit einem guten Buch in der Hand im Garten unter einem alten Baum zu sitzen. Bei ausgeschaltetem Handy auch durchaus mal nonstop über zwölf Kapitel hinweg…“

 

Zeller (1)„Slow Tourism“ heißt offiziell der neue Trend, der ein „entschleunigtes“ Reisen zum Inhalt hat. Auch wenn Kahl kein klassisches Ziel für Touristen ist, so kann man ihn im Zeller – Hotel + Restaurant –, zwischen Hanau und Aschaffenburg, mit einem gehörigen Abstand von 30 Kilometern bis zur verlockenden Metropole Frankfurt, erleben: Bei einem völlig entspannten Spaziergang am hier malerisch vor sich hin fließenden Main, bei einem netten Plausch mit anderen Gästen auf der Terrasse oder auch einem edlen Tropfen aus dem Weinkeller des Vier-Sterne-Hotels. Der mundet übrigens besonders gut auf der Wiese am Bach, der gleich am Haus liegt. Reisendes Herz, was willst Du mehr? Ankommen, willkommen sein, loslassen und einfach das schlichte Nichtstun wiederentdecken…