Von der Luft- und Raumfahrttechnik zur Kunst – ein spannender Wechsel

Dass man im Leben den Beruf und manchmal auch die Branche wechselt, ist nichts Ungewöhnliches. Wenn jedoch im Lebenslauf nach einem Institut für Flugzeugbau ein Unternehmen folgt, das in Sachen Kunst und Objekt-Design am Markt ist, ist das durchaus bemerkenswert. Bei Nicole Gottschalk ist das so: Die 29-Jährige hat Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität Stuttgart studiert, war danach in dieser Branche tätig und zeichnet nun als Produktionsleiterin bei FOLDART für die hohe Kunst des Faltens verantwortlich. Ein harter Bruch..? Nein, denn sie bringt hier ihre Kenntnisse und Fingerfertigkeiten in Kombination mit viel Kreativität ein.

„Versteckte“ Raumfahrttechnik inspirierte FOLDART zu neuen Kunstobjekten

„Form follows function“ – die berühmte Grundformel in Sachen Architektur und Objekt-Design – hat nach wie vor Gültigkeit. Schade ist nur, dass viele rein technische Dinge zwar über eine tolle Optik verfügen, die „Form“ jedoch nicht sichtbar ist, weil sie zugebaut oder von einer vermeintlich schöneren Fassade verdeckt wird. Ein solch ästhetisches Kunstwerk hat FOLDART für sich entdeckt: Das Unternehmen mit Sitz in Kolbermoor bei Rosenheim, entwickelte aus Faltkernen, Dämm- und Stabilisierungsstrukturen aus der Luft- und Raumfahrttechnik eine neue Form im Objekt-Design. Die puristischen und zugleich von luxuriöser Schlichtheit geprägten FOLDARTS basieren auf der Kunst des exakten Faltens. Aus einem einzigen Bogen Papier, Aluminium oder Kupfer entsteht dabei ein erhabenes Objekt. Sie verführen das Auge und zeigen sich aus verschiedenen Blickwinkeln in einer stets neuen Optik. Das elegante Prinzip der reinen Faltung ohne Schnitte und Klebungen bleibt dabei stets gleich; es variieren die Farben und das verwendete Material.

Manufaktur: Symbiose aus Technologie und Handwerk, aus Fachwissen und Kunst

Für seine Manufaktur in Kolbermoor hat das Unternehmen Nicole Gottschalk als Produktionsleiterin gewinnen können. Eine Idealbesetzung, denn die diplomierte Luft- und Raumfahrttechnikerin ist bestens vertraut mit der Entwicklung von Methoden zur Faltkernherstellung. Und genau darauf kommt es bei ihrem Job an: Bevor die FOLDARTS ihren Weg zum Endkunden finden, ist viel Fachwissen gefragt. Denn bis eine bloße Idee realisiert werden kann, müssen viele Parameter berücksichtigt und eine große Anzahl an Versuchen durchgeführt werden. Die Produktion aufzubauen und zu optimieren gehört dabei ebenso zu ihren Aufgaben wie das Suchen neuer Materialien und die Feststellung ihrer Eignung. Hinzu kommt das Erarbeiten neuer Funktionalitäten, um so neue Kollektionen zu entwickeln. Kurzum: eine spannende Symbiose aus Technologie und Handwerk, aus Fachwissen und Kunst, aus Können und Kreativität.

Frau Gottschalk, wie kam es zu diesem tiefgreifenden Berufswechsel?

Tatsächlich habe ich eine rein technische Ausbildung absolviert. Nach der Universität habe ich zunächst auch am Institut für Flugzeugbau in Stuttgart gearbeitet, als jedoch das Angebot von FOLDART kam, ergriff ich die Gelegenheit, um meiner Kreativität auf eine Art Ausdruck zu verleihen, wie es beim Bau von Sandwich-Biegeproben und der Bestimmung spezifischer Kennwerte nicht möglich ist.

Keinerlei Reue? Worin liegt der Reiz?

Nein, überhaupt nicht. Ich bin Teil eines tollen Teams, wir haben Spaß an der Arbeit und vor allem kann ich meinen Ideen freien Lauf lassen. Ich arbeite ja nun schon seit 2013 mit Faltkernen. Dabei fand ich es all die Jahre schade, dass diese Strukturen bei technischen Anwendungen – trotz ihrer faszinierenden Optik – immer „versteckt“ werden. Durch meine neue Arbeit kann man sich jetzt etwas nach Hause holen, was ursprünglich für die Raumfahrt entwickelt wurde. Da ich mich hier nur auf die optische Komponente konzentriere, es also ganz andere Anforderungen gibt, stehen mir bei der Materialauswahl völlig neue Möglichkeiten zur Verfügung als im rein technischen Bereich.

Und in Zukunft?

…habe ich noch so viele Ideen, wie man die FOLDARTS weiterentwickeln kann: mit neuen Formen, Farben und Materialien oder sie durch andere raffinierte Techniken – beispielsweise Licht – noch spektakulärer zu gestalten. Geschäftsführerin Heidrun Keim lässt mir bei der Entwicklung neuer Konzepte viel Spielraum und gemeinsam entscheiden wir dann, was realisierbar ist und was den Wünschen unserer Kunden entspricht. Wir sind fest überzeugt, den Markt schon bald mit einigen Innovationen überraschen zu können.