Die Luft in der Rhein-Neckar-Region wird dünner…

Tim Schreiber, Direktor

Leimen ist keine Metropole, keine Großstadt – vielleicht nur ein größeres Städtchen. Und doch steht dort ein Hotel, das seit 15 Jahren munter vor sich hin wächst und spätestens im Mai 2018 endgültig das größte der Metropolregion Rhein-Neckar sein wird: die Villa Toskana. Wie schafft es das im Moment noch 247 Zimmer, sieben Suiten und zehn Penthäuser große – und ganz im mediterranen Stil gehaltene – Haus, sich gegen die Wettbewerber in Heidelberg oder Mannheim zu behaupten? Seit Juni 2015 zeichnet Tim Schreiber (31) als Direktor und Prokurist verantwortlich.            

Herr Schreiber, unlängst haben Sie Ihren siebten Gebäudekomplex eröffnet, der achte folgt im Mai 2018. So geht das fast schon seit Ihrer Eröffnung 2002. Wächst der Markt so stark oder „greifen“ Sie ab?

Sowohl als auch. In den letzten Jahren hat sich die wirtschaftliche Situation in der Metropolregion Rhein-Neckar prächtig entwickelt und wir konnten davon nicht zuletzt auch als Tagungshotel – wir haben 21 Veranstaltungsräume und einen großen Festsaal – gut profitieren. Zweifelsohne bieten wir jedoch auch ein Produkt an, das sich vom oftmals vorherrschenden Einheitslook anderer Häuser angenehm abhebt.

Dennoch: Verträgt der hiesige – durchaus überschaubare – Markt problemlos weitere rund 50 Zimmer, wie sie im neuen „Casa Giardino” zur Verfügung stehen?

Lobby Villa Toskana

Das tut er, sonst hätten wir in diesen und auch den letzten Bau nicht investiert. Aber es ist richtig: Die Luft wird dünner und der Wettbewerb nimmt zu. Auch wenn beispielsweise mit Blick auf das neue Konferenzzentrum und die Multifunktionshalle in Heidelberg sowie die Ansiedlung von Firmen in der dortigen Bahnstadt hoffentlich eine zusätzliche Nachfrage generiert wird, so entstehen auf der anderen Seite allein in Heidelberg und Mannheim bis 2021 fast 7.000 weitere Hotelbetten. Langfristig wird die Nachfrage vermutlich nicht in gleichem Maß wie das Angebot steigen. Ein einschneidender Konjunkturrückgang ist mittelfristig nicht absehbar, aber auch nicht vorhersehbar und könnte die Branche hart treffen. Unsere Kapazitäten für 2018 basieren auf Marktanalysen und sind realistisch – wir wachsen nicht um des Wachstums Willen, sondern gesund, marktkonform und werden uns behaupten.

Was machen Sie anders oder besser?

Villa Toskana Boardroom

Es ist unser individuelles und persönliches Ambiente. Wir sind privat geführt und haben uns keiner Marken- oder Ketten-Philosophie zu unterwerfen. Das spüren die Gäste. Unsere Mitarbeiter verstehen sich als Team und es liegt ihnen aus Überzeugung nichts näher am Herzen, als die Zufriedenheit und das Wohlbefinden unserer Gäste. Hinzu kommt unser wirklich umfangreiches Angebot: Mir sind kaum Hotelbauvorhaben in der Region bekannt, die – wie wir sie haben oder anstreben – auf wirklich ansprechende F&B-, Event- oder Wellness-Bereiche setzen, Outdoor-Aktivitäten anbieten oder Ladengeschäfte in das Hotel integrieren. Die Individualisierung und „Abhebung“ von konventionellen Lösungen und Produkten wird künftiger noch wichtiger sein als je zuvor.

Sie sehen also entspannt in die Zukunft?

Grundsätzlich gesehen und unser Hotelprodukt betreffend ein klares Ja. Was mir jedoch arge Bauchschmerzen bereitet, ist die Personalfrage. Der Mangel an geeigneten Mitarbeitern – sowohl im Führungs- als auch im regulären Bereich – ist zunehmend spürbar. Wenn der Markt wie beschrieben weiter wächst, so gestaltet sich auch die Mitarbeitergewinnung, besonders in neuen Häusern, als größte Herausforderung: Die ohnehin schon wenigen potenziellen Kandidaten verteilen sich auf mehr und nach Expansion größere Häuser. Es entwickelt sich ein regelrechter Wettbewerb, ja fast schon Kampf um Fachpersonal. Das gilt im Übrigen ja nicht nur für unsere Branche…

Welche Ideen haben Sie?

Da wir die Menschen nicht aus dem Hut zaubern können, müssen wir uns diesem Wettbewerb stellen und uns als Arbeitgeber attraktiver gestalten. Hier bietet sich ein ganzes Spektrum an, das wir in der Villa Toskana in großen Teilen schon umsetzen: Das fängt bei einer fairen Bezahlung an, geht über flexible Arbeitszeiten sowie Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zu Selbstverwirklichungschancen – sprich Work-Life-Balance. Diese Benefits werden immer wichtiger. Zudem planen wir beispielsweise Betriebswohnungen, die spätestens Anfang 2019 angeboten werden sollen. Auch denke ich, dass in Unternehmen – auch in größeren – die persönliche Bindung wieder intensiver gepflegt werden muss: Der Arbeitgeber darf den Arbeitnehmer nicht als beliebig austauschbaren „Kostenfaktor“, sondern als unternehmerisches „Gut“ sehen. Der Arbeitnehmer wiederum sollte den Arbeitgeber nicht als reinen „Geldgeber“, sondern als einen ihm wohl gesonnenen „Versorger“ sehen, dem gegenüber es sich lohnt, loyal und motiviert zu sein. Neue Wege gilt es auch bei der Mitarbeiterakquise zu gehen: Einschlägige Jobportale reichen hier längst nicht mehr. Aktuell arbeiten wir beispielsweise an einem neuen Modell „Mitarbeiter werben neue Mitarbeiter“…