Tiny Houses inmitten der Natur – gemütliche Enge ohne Verzicht auf Komfort

Sonja und Christian Heinz

Was bringt Menschen dazu, in winzigen Häusern komplett aus Holz zu wohnen oder dort Urlaub zu machen? Fakt jedenfalls ist, die so genannten „Tiny Houses“ sind auf dem Vormarsch, aus den USA in Richtung Europa. Die Historische Mühle Vogelsang – ein uriges, in dritter Generation familiengeführtes Gasthaus in einem romantischen Seitental der Mosel – bietet dieses Wohnerlebnis erstmals in Deutschland zur Miete an.      

Frau Heinz, wie lebt, wohnt und schläft es sich in einem Tiny House?

Das Tiny House ist ein wahres Raumwunder – es wirkt viel kleiner, als es tatsächlich ist. Ich persönlich liebe seine Gemütlichkeit und heimelige Atmosphäre. Dazu trägt natürlich auch die Enge bei! Auf Komfort verzichten braucht man dabei nicht, unsere Tiny Mühlenhäuschen sind voll ausgestattet, von der Küche über den Flachbildschirm-TV und DVD-Player bis zum vollwertigen Badezimmer mit Dusche und Naturstein-Waschbecken – es fehlt an nichts. Dank der Holzbauweise und der vollbiologischen Dämmung ist das Raumklima sowohl im Sommer wie auch im Winter sehr angenehm und zudem allergikerfreundlich. Es gibt nichts Schöneres, als aufzuwachen und durch die großen Fenster direkt in die Natur zu blicken…

Camping „Deluxe“ also? 

Ja, so kann man das sehen! „Glamping“ ist der neue Trend im Campingbereich: Man genießt allen Komfort eines Hotels mit dem Flair eines Campingplatzes. Camping mit Stil sozusagen!

Was hat Sie auf die Idee gebracht, Tiny Houses auf Ihrem Hotelgelände aufzustellen und zu vermieten?

Zum einen wollten wir den aktuellen Glamping-Trend aufgreifen und auch unseren Gästen etwas Ungewöhnliches ohne Komfortverzicht bieten. Stelzenhäuser, Campingpods oder Schlafen im Weinfass – all das gibt es hier an der Mosel schon zur Genüge. Zum anderen sollte es eine Unterkunft sein, die auch im Winter ihren Reiz hat. Und das haben die Tiny Houses, denn hier muss niemand frieren. Das Holz, die Dämmung und ein knisternder Holzofen sorgen für mollige Wärme. Das macht richtig Spaß, nach einer Wanderung durch das verschneite Mühlental den Ofen zu befeuern, es sich bei einer Tasse Tee gut gehen und durch die Fenster die romantische Winterlandschaft auf sich wirken zu lassen.

Wer nimmt das Angebot war? Öko-Urlauber? Paare, die Romantik in der Natur suchen? Abenteurer? Und wie ist das Feedback?

Die Gästegruppe setzt sich ganz unterschiedlich zusammen. Da gibt es ältere Paare, die schon alles erlebt und einmal etwas völlig anderes ausprobieren wollen, es sind viele Wanderer dabei, die nicht auf Komfort verzichten möchten und sich ganz spontan für ein Tiny entscheiden, oder auch Glamper und junge Paare, die gezielt das Ungewöhnliche suchen. Das bisherige Feedback könnte nicht besser sein, die Gäste sind schlichtweg begeistert. Immer wieder wird die liebevolle Einrichtung gelobt und dass das Häuschen gar nicht so klein ist, wie es zunächst aussieht. Sehr gut kommt auch die Veranda an, wo man am Abend gemütlich beisammen sitzt. Und natürlich das Raumklima: Selbst bei Außentemperaturen von 36°C ist es innen angenehm kühl!

Sie waren – und sind – die ersten Gastgeber in Deutschland, die die winzigen Häuschen anbieten. War das Zufall oder ein geplantes Ziel?

Das haben wir erst im Nachhinein und durch Zufall erfahren. Es gibt mehrere Hersteller in Deutschland, aber wir konnten niemanden finden, bei dem man dieses Wohnerlebnis einmal ausprobieren oder gar für einen Urlaub buchen konnte. Das hat uns dann noch mehr bei der Entscheidung bestärkt, Tiny Houses anzubieten. Ein ganzes Jahr lang waren wir auf der Suche nach dem für uns passende Häuschen, so haben wir in Holland in Mobilheimen übernachtet, waren im Hunsrück und haben Campingpods besichtigt und auch verschiedene andere Ideen in Erwägung gezogen. Aber es war nichts dabei, was uns wirklich überzeugt hat. Schließlich und endlich sind wir bei der Zimmerei Otto in Boppard (www.zimmerei-otto.org) – also gar nicht so weit entfernt – gelandet, die unsere beiden Tiny Houses dann komplett nach unseren Vorstellungen entworfen und gebaut haben.

Bisher stehen den Gästen zwei Tiny Houses in der Mühle Vogelsang zur Verfügung. Soll diese Zahl erhöht werden? Anders gefragt: Ist das ein kurzer Trend oder ein „richtiger“ Zukunfts-Markt?

Wie sich das allgemein mit den Tiny Houses entwickeln wird, lässt sich schwer vorhersehen. Mit Blick auf die derzeitige Nachfrage bei uns jedoch, sieht es eher weniger nach einem kurzen Trend aus. Zumindest im Hotellerie- und Camping-Bereich bieten sie eine tolle Alternative, die auch in Zukunft ihren Markt hat. Den möchten wir gerne bedienen! Auch könnten die Tiny Houses der momentanen Wohnungsknappheit in Großstädten entgegenwirken – ich denke hier zum Beispiel an Studierende oder Menschen mit knappem Budget. Schließlich sind sie auf einem speziellen Trailer montiert und daher mobil. Einige Gäste haben bereits den Wunsch geäußert, selbst ein Tiny im Garten aufstellen zu wollen – Anfragen leiten wir natürlich gerne an unseren Hersteller weiter…