Wer von Ihnen hat in seiner Karriere nicht schon einmal den Satz gehört: „Na, dann motivieren Sie mal Ihre Mitarbeiter!“ – und wurde dann damit alleine gelassen.

Motivieren

Motivieren kommt vom lateinischen Wortstamm – movere – und bedeutet bewegen. Unter „Bewegen“ ist hier die Macht des Willens gemeint, eine schöpferische Kraft, die uns hilft, Probleme und Hindernisse zu überwinden um kleine oder große Ziele zu erreichen. Motivation ist die Richtung, die Intensität und die Ausdauer menschlichen Verhaltens. Es gibt Mitarbeitende, die bringen bereits eine gewisse Motivation mit, weil sie den Job cool finden, weil sie Ihr Unternehmen krass finden oder Freude daran haben, Menschen zu verwöhnen. Das ist die intrinsische Motivation, also die innere Motivation eines Menschen aus einer bestimmten Haltung heraus. Sie beschäftigen aber auch Mitarbeiter, die Impulse von außen benötigen, um motiviert an die Arbeit zu gehen. Das kann ein Lob sein, eine Gehaltserhöhung, eine Prämie, ein ÖPNV-Ticket oder ein besonderes Projekt, welches in ihrer Verantwortung liegt. Das ist die extrinsische Motivation, die durch Verhalten und Faktoren von außen beeinflusst wird.

Ganz wichtig: Sie können niemanden motivieren! Motivieren kann der Mensch nur sich selbst. Sie können aber herausfinden, was Ihre Mitarbeitenden interessiert, welche Talente sie haben und wo ihre Stärken liegen. Dann setzen Sie diese entsprechend ein. Dazu gehören intensive Beobachtung und sehr gute Gespräche unter vier Augen. Weiterhin können Sie Voraussetzungen schaffen, die motivierend auf die Mitarbeitenden wirken. Zum Beispiel dadurch, dass Sie alle Ihre Führungsaufgaben bewusst wahrnehmen und Ihr Verhalten sowie Ihre Wirkung reflektieren. Sorgen Sie für gute Arbeitsbedingungen und achten Sie darauf, dass das Team gut miteinander umgeht. Integrieren Sie die Mitarbeitenden in Entscheidungen und übertragen Sie ganz bewusst Verantwortung in dem Rahmen, den sich jeder Einzelne zutraut. Und – leider immer wieder ein Thema in unserem Gastgewerbe – zahlen Sie ein ordentliches, faires Gehalt. Häufig steht auch das Gehalt der Führungskräfte nicht im Verhältnis zu ihren Aufgaben und Kompetenzen.

Fordern Sie Ihre Mitarbeitenden

Das motiviert auch. Oft werden die Fähigkeiten von Mitarbeitenden unterschätzt. Wer in einer Fußballmannschaft als Kapitän aufläuft, der hat sicher Potenzial, mehr Verantwortung im Unternehmen zu übernehmen. Wie weit Sie Ihre Mitarbeitenden fordern können, das finden Sie durch Beobachtung und Gespräche heraus. Testen Sie zuerst einmal, bevor Sie zu viel versprechen. Beobachten Sie, lassen Sie Fehler zu und geben Sie ein ehrliches Feedback. Wenn Sie und Ihr Mitarbeitender dann feststellen, das passt, dann kommt der nächste Schritt.

Wer fordert, der muss auch fördern

Das motiviert ebenfalls! Dabei geht es in erster Linie nicht um Geld. Es geht um die Entwicklung Ihrer Mitarbeitenden. Bilden Sie sie weiter, fachlich und persönlich. Die klassischen Tee- und Weinschulungen sind zwar nett und notwendig, aber genauso wichtig ist die persönliche Entwicklung, denn die wirkt umso mehr. Sie lässt sie reifen, sie führt zu einem anderen Blick auf sich selbst, sie führt zu einer anderen Wahrnehmung während der Arbeit und damit zu Erkenntnissen, die den Mitarbeitenden und dem Unternehmen guttun. Durch regelmäßige Feedbacks entdecken dann beide, der Mitarbeitende und Sie, welche Richtung für die Zukunft passt, die Expertenrolle oder die Führungsrolle. Wer fordert und fördert, der bindet seine Mitarbeitenden und verschafft sich ein positives Image nach außen. Damit zeigt Ihre Führung Wirkung und zieht weitere potenzielle Mitarbeitende an. Auch wenn mal der eine oder andere geht und Sie sich möglicherweise ärgern – er wird gut über Sie und Ihre Art von Führung sprechen.

Begleiten und beraten

In der heutigen Zeit ist es immer wichtiger, dass Sie Ihre Mitarbeitenden begleiten und beraten. Früher hat man das wohl mehr oder weniger auch unter dem Begriff der „Fürsorgepflicht“ verstanden. Gerade junge Menschen brauchen heute gestandene, reflektierte Führungskräfte und Unternehmer, die sie ernst nehmen und Ihnen bei Entscheidungen und Herausforderungen zur Seite stehen. Es geht nicht darum, dass Sie den jungen Menschen die Entscheidung abnehmen sollen. Nein, Sie sollen sie beraten, ihnen Perspektiven und Alternativen aufzeigen, damit sie in ihrer Entscheidung sicherer werden. Viele junge Menschen sind aufgrund der Vielfalt in ihrem Leben und im World Wide Web eher verunsichert und haben Angst eine falsche Entscheidung zu treffen. Sie werden es Ihnen danken, mit Vertrauen, hoher Motivation und ausgeprägter Leistungsbereitschaft. Und doch werden sie weniger Loyalität zeigen als Sie es sich wünschen.

Anpassungsfähigkeit – eine wichtige Führungskompetenz

Und das führt zu einer wichtigen Führungskompetenz, die ich hier ansprechen möchte. Neben der notwendigen Selbstreflektion, die Sie brauchen, um sich selber oder in Zusammenarbeit mit Ihrem persönlichen Coach weiter zu entwickeln, benötigen Sie eine ordentliche Portion Anpassungsfähigkeit. Die Vielfalt Ihrer Mitarbeitenden fordert von Ihnen unterschiedliche Führungsverhalten und Ansprache. Die tägliche Herausforderung Führungskraft gelingt nur dann gut, wenn Sie die Bereitschaft zeigen, sich immer wieder auf neue Situationen und Menschen einzustellen. Wenn Sie diesen Aufwand als Führungskraft betreiben und sich immer wieder Ihrer Führungsaufgaben bewusst sind, dann werden Sie und Ihr Team erfolgreich sein.

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