Berufliche Quereinsteiger sind im Dorf am See – Seehotel Niedernberg nicht nur willkommen, sie federn auch den bestehenden Personalmangel in der Hotellerie ab. Natürlich kommt das 80 Zimmer große Haus nicht ohne Fachkräfte aus, aber viele Positionen können mit Menschen, die den Beruf des Gastgebers aus Überzeugung leben, mit Herz, Spaß und Leidenschaft „dienstleisten“, erfolgreich und gewinnbringend besetzt werden. „Elisabeth-Prinzip“ nennt die stellvertretende Direktorin und „Dorfsprecherin“ Karina Kull das Verfahren nach einer solchen Mitarbeiterin, das auch Förderungen und Schulungen beinhaltet.    

Karina Kull

Karina Kull, „Dorfsprecherin“ und stellvertretende Direktorin (Bild: Stephanie Kreuzer)

Enger Kontakt mit Gästen, ein abwechslungsreiches Aufgabenspektrum und gute Karrierechancen: Wer sich mit der Philosophie des Hauses identifiziert und seine Aufgaben mit Lust erfüllt, wird im Dorf am See freudvoll arbeiten können. Das versichert Karina Kull, die sich als stellvertretende Direktorin und „Dorfsprecherin“ im Dorf am See – zwischen Aschaffenburg und Miltenberg gelegen – immer wieder selbst von Reaktionen der Gäste antreiben lässt: „Es gibt kaum einen anderen Beruf, in dem Menschen einem so schnell ein Feedback geben. Das macht nicht nur Freude, sondern motiviert ungemein.“ Trotzdem suchen Gastronomie und Hotellerie in Deutschland seit Jahren händeringend nach Personal. Das Seehotel Niedernberg startet nun eine neue Offensive, bei der es nicht nur auf Qualifikation im Sinne von Fachkenntnissen ankommt. Gesucht werden auch und explizit ungelernte, aber begeisterungsfähige Quereinsteiger, mit denen das Hotel hervorragende Erfahrungen gemacht hat. So wie beispielsweise mit Elisabeth Z. Die gelernte Schneiderin kam trotz fehlender Hotellerie-Erfahrung ins Dorf am See, erhielt intensive Schulungen, unterstützte zunächst nur das Serviceteam im Restaurant sowie die Bankettabteilung und ist inzwischen unter anderem für die komplette Restaurantdekoration verantwortlich. „Niemand kann das besser als sie, und sie fester Bestandteil unserer Familie. Zudem schneidert sie…“, schwärmt Karina Kull, die das neue Einstellungs-Prinzip kurzerhand dann auch „Elisabeth-Prinzip“ betitelte.

Bild: Markus Püttmann

Wissen kann man erwerben, das ’Gastgeber-Gen’ nicht

„Wer dieses spezielle ’Gastgeber-Gen’ in sich trägt, kann einem Hotel äußerst wertvolle Dienste leisten und Defizite bei fachspezifischen Kenntnissen durchaus kompensieren – insbesondere bei Tätigkeiten direkt am Gast, wo es auf Charakter und Wesen ankommt. Nicht nur, aber auch“, so Karina Kull. „Wissen kann man erwerben, Lebensfreude nicht. Daher bieten wir unseren Quer- und Späteinsteigern entsprechende Fortbildungsmöglichkeiten an, um sie auch fachlich bestmöglich zu qualifizieren.“ Mitarbeiter „von der Stange“ gehören nicht zur Philosophie des Dorf am See. Karina Kull weiter: „Wir halten ständig Ausschau nach engagierten und kontaktfreudigen Menschen, die sich gerne als Dienstleister verstehen. Der freundliche Umgang mit den Gästen und Kunden, das erkennen von Wünschen und deren Erfüllung stehen an erster Stelle.“ Alter und Vorbildung spielen indes nicht immer eine große Rolle im Dorf am See: So kann eine Mittfünfzigerin, die ihre Kinder nicht mehr betreuen muss, ebenso eine Stelle an der Rezeption finden, wie eine ehemalige Sekretärin. Um als Hilfs- oder Frühstückskoch zu arbeiten, muss man den Beruf nicht erlernt haben. Eine „Affinität“ zur neuen Aufgabe, gepaart mit Erfahrungen als Metzger, Bäcker, Konditor oder in der Nahrungs- und Genussmittelbranche, kann beispielsweise in der Küche bereits genügen. „Selbst auf einen Rentner, der noch gerne arbeitet, kann im Seehotel eine spannende Aufgabe warten“, verspricht Karina Kull. „Wir brauchen den frischen Wind der Jugend, schätzen aber die Lebenserfahrung mindestens genau so.“

Eine ganze Reihe von Türen stehen im Dorf am See offen

Wellness-Team „Dorf am See“ (Bild: Markus Püttmann)

Dass neue „Dorfbewohner“, wie das Personal in der hauseigenen Sprachregelung genannt wird, gezielt nach ihren Fähigkeiten eingesetzt werden, führt am Ende zu einem Vorteil bei allen Beteiligten. „Wir sind sehr selbstkritisch und wünschen uns Mitarbeiter, die sich einbringen, die neue, gerne auch ungewöhnliche Ideen haben. Und wir hören auf sie“, sagt Karina Kull. So freut sie sich immer noch über die smarte Auszubildende, die hinterfragte, weshalb auch im Hochsommer Pralinen in Gästezimmern ausgelegt werden, obwohl diese dann doch leicht schmelzen. Karina Kull: „Kritikfähigkeit, gegenseitige Wertschätzung und Respekt sind bei uns unabdingbar – auch vertikal.“ Wer über zumindest gute Umgangsformen, ein selbstbewusstes Auftreten, Flexibilität und den Willen zum Engagement verfügt, dem stehen im Dorf am See eine ganze Reihe von Türen offen und auch ein beruflicher Aufstieg ist möglich. Die Hotelleitung ist bereit, Zeit und Geld in Ausbildung und Umschulung zu investieren. Wie in den jungen Rumänen : Nach einem vierwöchigen Praktikum wurde ihm eine Ausbildung zum Restaurantfachmann angeboten. Die Sprach-Barriere war jedoch zu groß. Heute arbeitet er mit Freude im Housekeeping und fühlt sich wohl. Sind die Deutschkenntnisse auf einem guten Stand, wird er eine zweite Ausbildungschance erhalten. Fexibel zeigte sich zum Beispiel auch Astrid S., die nach einer Elternzeit die Leitung des Restaurantservices gegen eine Teilzeitstelle in der Debitorenbuchhaltung tauschte. Die Hintergründe für Buchungsvorgänge kennt sie aus ihrer Zeit im Service, so dass sie an der neuen Arbeitsstelle inzwischen zur wertvollen Mitarbeiterin mit „Quereinsteiger-Hintergrund“ geworden ist.

Bild: Markus Püttmann

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