Nur für den Erfolg zu arbeiten, ist passé: Die Generationen Y und Z und die Arbeitswelt

 Seit über zwölf Jahren berate ich junge Nachwuchsführungskräfte hinsichtlich ihrer Karriere in der Hospitality Branche. Dabei ist mir eine ganz wesentliche Entwicklung aufgefallen. In den Generationen Y und Z verstärkt sich der Blick immer mehr auf die eigene Person, losgelöst von den Entwicklungen in der Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt. Im Vordergrund steht, wie ich mich selbst entwickeln kann, was mir selbst gut tut und wie ich besser werden kann. Das ist eine sehr typische Eigenschaft der Generation Y. Fordern ist automatisch verbunden mit fördern. Die Bereitschaft, für den Erfolg eine gewisse Leistung zu erbringen, ist da, aber immer verbunden mit einem Profit für einen selbst. Für die Arbeitgeber bedeutet das, dass sie sich individuell mit diesen unterschiedlichen Erwartungen und Anforderungen ihrer Mitarbeitenden beschäftigen. Konkret sind das flexible Arbeitszeiten im Sinne des Mitarbeitenden,  Familienfreundlichkeit, individuelle, attraktive Arbeitsplätze, permanente Entwicklung der Mitarbeitenden, ein integrativer Führungsstil und die Akzeptanz, dass Flexibilität und Loyalität keine Selbstverständlichkeit mehr sind.

Die Generation Y ist dem Coaching sehr zugewandt. Der Anspruch an mich als Coach ist die Erwartung an eine konkrete Entwicklung während des Coachings durch offenes Feedback und einen hohen Anteil an Selbstreflektionssequenzen. Am Ende steht der Profit für den Coachee. Der Generation Y gelingt es meines Erachtens recht gut, Arbeit und Leben miteinander zu verbinden. Jedoch klingt die Bereitschaft ab, nur für den Erfolg zu arbeiten, um irgendwann mal eine Führungsposition zu übernehmen.

Strikte Trennung von Arbeit und Leben bei Generation Z

Seit dem letzten Jahr nimmt der Anteil der Generation Z im Karriere-Coaching zu. Dabei fällt mir auf, dass es eine immer striktere Trennung von Arbeit und Leben gibt. Die Bereitschaft, mehr als 8-10 Stunden zu arbeiten, sinkt rapide, auch bei den ambitionierten Nachwuchskräften. Auch die Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber ist eine andere als bei den vorigen Generationen. Meines Erachtens handeln die Vertreter der Generation Z zügig, ohne langes Hadern oder eine längere Bedenkzeit, um Entscheidungen genau abzuwägen. Gibt es ein attraktives Jobangebot, wird gekündigt, auch ohne Rücksicht auf den derzeitigen Arbeitgeber. „Auf mich nimmt in der Arbeitswelt auch keiner Rücksicht“. Das ist eine recht realistische Einschätzung. Andererseits legt die Generation Z großen Wert darauf, dass die Tätigkeit Spaß macht und die Rahmenbedingungen stimmen. Ist das gegeben, bleibt sie gerne bei ihrem Arbeitgeber.

Im Coaching bedeutet das für mich, sehr präzise mit dem Coachee herauszufinden, wie er tickt, was und wohin er will. Der „richtige Job“ ist wichtig, ebenso wie die Definition der Rahmenbedingungen – insbesondere der Arbeitszeit, des Gehalts, der Mitgestaltung, des Sinns und Arbeitsumfeldes.

Selbständigkeit als attraktives Ziel

Ein Ziel, das mir in meinen Coachings immer häufiger begegnet, ist die Selbständigkeit als Abschluss der beruflichen Laufbahn. Möglicherweise ist das der Wunsch einer Unabhängigkeit von einem System, das nicht mehr zu den eigenen Werten passt. Aus meiner Sicht als Coach ist die Generation Z sehr geprägt durch die Vielfalt der Medien. Daraus ergibt sich vielleicht eine gewisse Unsicherheit, die in der Folge durch eine gefühlte Sicherheit wie z.B. einen unbefristeten Arbeitsvertrag und wenig räumliche Veränderung stabilisiert wird. Diese These lässt sich eventuell noch dadurch bestätigen, dass die Familie und die Nähe zum heimatlichen Umfeld immer häufiger eine sehr wichtige Rolle spielen. Sprunghaftigkeit ja, größere räumliche Veränderung im Berufsleben eher seltener.

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Die Generation Y
Als Generation Y  wird die Personengruppe bezeichnet, die in dem Zeitraum der späten 1970er bis in die frühen 1990er-Jahre geboren ist. Sie verfügt über einen hohen Bildungsgrad, ist selbstbewusst und ehrgeizig und hat die Selbstverwirklichung im Fokus. Die Generation Y lehnt hierarchische Strukturen ab, ist karriereorientiert und legt großen Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance.

Die Generation Z

Die Generation Z umfasst die Personengruppe, die nach 1995 auf die Welt gekommen ist. Diese gut informierte Generation zeichnen Realismus, Sprunghaftigkeit, Individualismus und ein Lernen für den eigenen Profit aus. Sie trennt Privates und Berufliches.